Workation in Italien: Bericht aus der Isolation

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Remote Work ist für mich bereits seit längerem nicht mehr die Ausnahme, sondern vielmehr die Regel, seit es mich der Liebe wegen nach Italien zog. Ich meine dabei nicht die Liebe zum guten Essen, obwohl auch das einer der Gründe war, sondern die Liebe zu einem bestimmten Menschen und zu einer offenen Kultur, wo man sich von Anfang an willkommen fühlt.

Workation in Italien: Bericht aus der Isolation.

Mein Glück in dieser Situation ist, dass cyon mir das Arbeiten von Italien aus erlaubt. Alle cyon-Mitarbeitenden haben die Möglichkeit der «Workation», welche uns erlaubt, eine gewisse Zeit von irgendwo auf der Welt zu arbeiten. Einzige Bedingung: Man muss sich an Orten aufhalten, wo das Arbeiten möglich ist, sprich, wo es Internet mit etwas Speed hat. Und so machte ich mit Handkuss von dieser Möglichkeit Gebrauch und zog mit meinem Laptop nach Italien.

Was ich als erstes vermisste, war das tolle cyon-Büro. Ich suchte mir deshalb einen Coworking-Space, wo ich in Ruhe arbeiten kann und mich wohl fühle. Ich begann, Italienisch zu lernen und helfe seitdem unseren Kunden von Italien aus.

Für alle, die nun gezwungenermassen von zu Hause arbeiten und sich das nicht gewohnt sind, habe ich ein paar Tipps aus meinen Erfahrungen. Ich bin der Meinung, dass diese Situation für viele Betriebe eine Chance ist, interne Strukturen für die Zukunft zu rüsten.

Fünf Ratschläge für das Leben und Arbeiten in der Quarantäne

Seit mittlerweile nun 16 Tagen steht ganz Italien unter Quarantäne und der Aufenthalt ausserhalb der eigenen vier Wände ist nur noch mit speziellen Gründen erlaubt. Eine nicht nur ungewöhnliche, sondern für meine Generation auch bisher unvorstellbare Situation.

1. Arbeitsplatz einrichten

Mit der Vorschrift, zu Hause zu bleiben, ist kein Arbeiten im Coworking-Space mehr möglich. Als Erstes gilt es deshalb, sich in der Wohnung einen Ort zu suchen, wo man ungestört arbeiten kann. Das ist in meinem Fall gar nicht so einfach, denn in unserer kleinen Wohnung hier in Italien kommt dafür nur der Tisch oder das Sofa in Betracht. Da ich bei längerem Arbeiten am Bildschirm rasch Nackenschmerzen habe, ist für mich die Arbeitsposition enorm wichtig. Nutzt Dinge wie Bücher, um den Monitor zu erhöhen, oder Kissen, um den Stuhl zu justieren.

2. Wechselt regelmässig eure Position

Im Büro steht man oft auf, holt sich ein Glas Wasser oder um eine Frage mit den Kolleginnen oder Kollegen zu klären. Zu Hause hingegen bleibt man oft stundenlang in derselben Position sitzen. Macht regelmässig kurze Pausen. Ich nutze dazu mit der App Focus To-Do einen Pomodoro-Timer, welcher mich nach 25 Minuten daran erinnert, kurz aufzustehen. Ich bewege meine Schultern, mache mir eine Tasse Tee und fahre dann frisch und locker mit meiner Arbeit fort. Auch das stehende Arbeiten ist eine tolle Abwechslung. Dazu haben wir uns für zu Hause dieses super flexible Tischlein aus dem Internet bestellt, welches auf dem Bild zu sehen ist. Aber auch auf dem Sofa kann man es sich natürlich für eine gewisse Zeit bequem machen.

Oli am Stehtisch.

3. Macht regelmässig Meetings

Wir im cyon-Support führen jeden Morgen ein kurzes Standup-Meeting über Video durch. Da sieht man sich kurz, informiert sich gegenseitig über Vorkommnisse des Vortags und kann den kommenden Arbeitstag durchgehen. Das hilft sehr, den Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen aufrechtzuerhalten.

Die Corona-Krise bringt zudem immer wieder ganz neue Ideen hervor. So essen wir cyonistas schon mal zusammen zu Mittag, indem wir alle unsere Laptops auf den Tischen haben und per Video-Konferenz zum Essen etwas plaudern können. Hier in Italien, wo die «Aperitivi» ein fester Bestandteil der Kultur sind um sich zu treffen, wurden nun die Remote-Aperitivi ins Leben gerufen. Man macht sich kleine Häppchen oder öffnet eine Tüte Chips, schnappt sich ein leckeres Getränk und trinkt und plaudert so gemeinsam über Video-Chat.

4. Bewegung, Bewegung, Bewegung

Da man stets zu Hause ist, bewegt man sich natürlich auch viel weniger, da alles, was man hat und braucht, auf kleinstem Raum vorhanden ist. Daher ist bewusste Bewegung enorm wichtig. In Italien offerieren nun viele kleine Yoga- und Pilates-Studios gratis Lektionen über Instagram Live. Persönlichkeiten aus Fernsehen und Radio ziehen nach und überfluten die sozialen Netzwerke mit ihren eigenen Formaten von zu Hause aus. Und auch Firmen und Private ziehen nach, Bauern bieten zum Beispiel Hauslieferungen an, welche man über Facebook oder Telefon bestellen kann. Ob alle diese jetzt aufkommenden Angebot nötig sind und die Situation besser machen kann man in Frage stellen, viele erkennen in der digitalen Welt nun aber neue Möglichkeiten, was ich als positiven Effekt sehe. Gleichzeitig freue ich mich aber sehr darauf, meine Gemüse wieder auf dem Markt einzukaufen und für die Pilates-Stunden wieder aus dem Haus gehen zu dürfen.

5. Nutzt die Zeit sinnvoll

Als positiv eingestellter Mensch suche ich immer nach Möglichkeiten, auch in dieser eher beklemmenden und aussergewöhnlichen Situation etwas sinnvolles zu sehen oder zu tun. So freue ich mich beispielsweise über die deutlich bessere Luft, aber auch an Praktischem: Man hat nun Zeit, viele Dinge zu erledigen, die oft liegen bleiben im normalen Alltag: Die Wohnung mal wieder gründlich zu putzen, den Balkon-Garten aus dem Winterschlaf zu holen und für den Frühling vorzubereiten, den Video-Call mit meinen Freunden und der Familie in der Schweiz und andere, zuweilen als unwichtige Dinge eingestuften Tätigkeiten, die ich schon lange mal tun wollte, aber nie dazu kam.

In diesen schwierigen Zeiten lernt man aber auch einiges, das uns in einer Gesellschaft des Überflusses etwas abhanden kam. Zwar sind Nahrungsmittel in unserer Region nicht knapp, trotzdem lernt man, bewusster damit umzugehen, schliesslich sollte man nicht mehr als einmal pro Woche einkaufen gehen. Das heisst, besser vorausplanen, was man benötigt und dann auch nutzen. Einfach wegwerfen und kurzerhand frische Ware kaufen funktioniert mit der hier herrschenden Ausgangssperre nicht mehr. Aber auch gesundes Kochen und sich für ein aufwendigeres Menu Zeit zu nehmen, erhält jetzt einen ganz neuen Stellenwert.

Man wird sich auch bewusst, dass vieles, was man stets für selbstverständlich hielt, nun plötzlich eben nicht mehr so selbstverständlich ist. Wer hätte gedacht, dass zum Beispiel der Flugverkehr nun auf einen Schlag praktisch still steht? Für das Klima ganz klar ein grosser Erfolg, für unsere Wirtschaft hingegen ein Disaster. Für mich ist damit auch der Moment gekommen, nach neuen Möglichkeiten zu suchen, wie wir unserem Planeten wieder etwas Erholung gönnen können und die Wirtschaft trotzdem funktioniert. Warum jetzt also nicht seine Gewohnheiten ändern und zum Beispiel weniger fliegen?

Ich hoffe, wir alle können uns an die Regeln halten und möglichst zu Hause zu bleiben. Dann wird sich diese Situation rasch erholen. Und denkt daran: Ihr macht dies nicht zwingend für euch, sondern für eure Eltern, Grosseltern oder weniger gesunde Mitmenschen, die euch mit dem Leben dafür dankbar sind.

Bleibt zu Hause und nutzt die vielen Möglichkeiten, die wir heute haben, uns trotzdem nahe zu sein!

5 Kommentare

  1. Spannender Artikel und danke für die guten Tipps. Könnte ich im Rahmen einer Workation mit bei euch bewerben und vom Ausland aus arbeiten?

    • Merci für das Interesse. Direkt mit einer Workation zu starten, ist aktuell nicht vorgesehen. Die Zeit der Workation ist ausserdem begrenzt, was unter anderem auch rechtliche Gründe hat.

  2. 5 Tage Homeoffice in der Woche sind in der Tat eine ganz neue Lebenserfahrung und Video-Calls werden plötzlich selbstverständlich!

    Das Tischlein gefällt mir – darf man wissen, wie es heisst und wo es bestellt wurde?

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