Versteckt Google Chrome künftig den URL-Pfad?

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Die Darstellung der URL in der Adresszeile des Browsers beschäftigt die Entwicklerinnen und Entwickler von Chrome schon länger. Im Juli 2018 begannen sie, nicht SSL-verschlüsselte Websites mit einem «Nicht sicher»-Hinweis zu brandmarken. Zwei Monate später entfernten sie den «grünen Balken», der bis dahin verschlüsselte Websites markierte, verbannten die Protokollanzeige http:// oder https:// aus der Adresszeile und liessen sogar die Subdomains wie «www.» oder «m.» aus der Anzeige verschwinden. Aus der URL «https://www.cyon.ch/» wurde so also in der Browser-Adresszeile ein simples «cyon.ch».

Versteckt Google Chrome bald URL-Pfade?

Jetzt wollen die Entwicklerinnen und Entwickler der Adresszeile im Browser offenbar erneut an den Kragen. In einer «Canary»-Version von Chrome für Entwicklerinnen und Entwickler ist die Möglichkeit aufgetaucht, die URL weiter zu kürzen. Anstatt des vollständigen Pfades wird so nur noch die Domain angezeigt: Anstelle von «cyon.ch/speedserver/vergleichstabelle» also nur noch «cyon.ch». Erst, wenn man mit der Maus über die Adresszeile fährt, zeigt der Browser die vollständige URL.

Screen-Recording Chrome Canary URL

Entdeckt wurde das Werkeln hinter den Kulissen, weil die Funktion in einem früher verteilten Canary-Build standardmässig aktiviert war. Das aber hätte so nicht veröffentlicht werden sollen, wie ein Google-Engineer twitterte:

In neueren Builds ist die Funktion nun nicht mehr standardmässig aktiv, kann aber in den Einstellungen manuell aktiviert werden.

Der Fall zeigt, dass Google trotz Widerstand aus der Community weiter an einer Vereinfachung der URL-Darstellung arbeitet. Und Chrome befindet sich damit in guter Gesellschaft, denn Apples Safari-Browser zeigt in der Adresszeile bereits seit langem nur noch den Domainnamen an. Erst nach einem Mausklick in die Adresszeile offenbart der Browser die komplette URL.

Und was bringts?

Aber was bringts eigentlich? Während Profis aus diversen Gründen eher an der Darstellung der vollständigen URL hängen, sind die Pfade dahinter für Laien eher kryptisch als hilfreich. Und sie lenken ab: vom eigentlichen Domainnamen. Ein Umstand, der zum Beispiel beim Erkennen von Phishingsites eine entscheidende Rolle spielen könnte. Wird nämlich nur die Domain angezeigt, liegt der Fokus eher auf der Erkennung der korrekten bzw. falschen Domain.

Kommt dazu: Für den Normalsurfer ist es zudem schlicht überflüssig, sich lange Pfade zu merken. Entweder, man gelangt direkt durch das Surfen auf einer Website zum gesuchten Inhalt, oder man wird durch einen Link aus Suchresultaten mit einem Klick dorthin geführt.

Der Trend ist klar: Wir kennen nur eine Hand voll URLs auswendig – den Rest googlen wir. Und wir verlassen uns darauf, dass die Suchmaschinen uns die Inhalte servieren, die wir tatsächlich gesucht haben.

So gesehen haben auch die Kritikerinnen und Kritiker im Netz nicht ganz unrecht, wenn sie Google vorwerfen, die Anzeige von URLs aus purem Eigeninteresse einzuschränken. Denn der Suchmaschinengigant hat ein vitales Interesse daran, die Nutzerinnen und Nutzer möglichst lange auf seinen Seiten zu halten. Wie das geht, zeigt Google bereits heute, beispielsweise auf mobilen Geräten innerhalb der Newssuche. Die Zielseiten führen dort in vielen Fällen auf mobile-optimierte AMP-Seiten, die wiederum bei Google gehostet sind. Die eigentliche Originalwebsite wird erst durch einen weiteren expliziten Klick aufgerufen. Das Resultat: Der Traffic verbleibt bei Google, das dafür verspricht, AMP-Inhalte schneller als das Original ausliefern zu können.

5 Kommentare

  1. Wenn es OPTIONAL bleibt, dann meinetwegen. Ansonsten wäre ich allerdings überhaupt nicht dafür!

  2. Blödsinn.
    Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter (zurück): Ich hätte gerne die *komplette* URL inklusive http/https/whatever.

    Vorschlag:
    den relevanten Domain-Namen fett hervorheben, den Rest aber sichtbar lassen.

  3. Ich habe vor einigen Wochen im Zusammenhang mit den ausgeblendeten vollständigen URL’s mehrere Beiträge gefunden bei welchen die Thematik bzw. Auswirkungen auf SEO diskutiert werden. So wird gemunkelt, dass „lesbare“ URL’s wohl zukünftig keine Vorteile mehr bringen werden. Schaue gespannt auf diese Entwicklung.

  4. Ich habe in Google Chrome das Plugin ‚Suspicious Site Reporter‘ installiert, dann wird Protokoll und Subdomain in der URL wieder angezeigt…

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