Millionen von Klicks: Das ist der erfolgreichste Schweizer auf Unsplash

Alles begann am 27. Mai 2013 mit einem Tumblr-Blog: Der in Montreal lebende Entrepreneur Mikael Cho kaufte sich ein vorgefertigtes Tumblr-Theme für 19 Dollar, lud zehn Bilder seines Firmen-Photoshoots auf seine Dropbox, verlinkte diese auf seinem nigelnagelneuen Blog und bot sie zum kostenlosen und lizenzfreien Download an. Unsplash war geboren. Nur ein Jahr später zählten die Macher bereits 776 Fotos und über 10 Millionen Downloads und zogen auf eine eigene Website um.

Heute gehört Unsplash, das gerade vom amerikanischen Bildagentur-Multi Getty Images gekauft wurde, zu den bekanntesten Stockfoto-Websites, deren Bilder kostenlos und frei genutzt werden dürfen. Über 2 Millionen Fotos von rund 211’000 Fotografen finden sich inzwischen auf der Plattform, Tendenz stark steigend. Kein Wunder, figuriert Unsplash auch seit Jahren auf unserer regelmässig aktualisierten Liste der besten Stockfoto-Websites.

Doch was steckt da dahinter? Wieso stellen enthusiastische Fotografinnen und Fotografen ihre Bilder kostenlos zur Verfügung und verzichten sogar auf eine Namensnennung?

596 Millionen Klicks mit 2’300 Bildern

Wir haben mit Claudio Schwarz gesprochen. Der Dübendorfer ist Frontend-Entwickler und begeisterter Fotograf. Seit 2018 veröffentlicht er regelmässig Fotos auf Unsplash. Und seine Zahlen können sich mehr als sehen lassen. Seine 2’300 Bilder wurden inzwischen mehr als 596 Millionen Mal angeklickt und über 2,3 Millionen Mal heruntergeladen. Damit ist er, gemessen an Views und Downloads, das aktuell erfolgreichste Schweizer Mitglied der Unsplash-Community.

Das Bild des durch Saharastaub eingefärbten Sonnenaufgang in Arth SZ vom Februar 2021 ist das bisher erfolgreichste Foto von Claudio auf Unsplash. Es hat allein in den letzten 6 Wochen fast 21 Millionen Views erhalten und wurde über 70’000 Mal herunterladen.

Was es mit seiner Liebe zur Fotografie auf sich hat, weshalb er lieber auf Instagram verzichten würde und auf welchen kuriosen Grund sein Nickname zurückzuführen ist, hat uns Claudio im Interview verraten.

Claudio, deine erste eigene Kamera hast du dir mit 16 Jahren von deinem Konfirmationsgeld gekauft. Du fotografierst also seit bald 20 Jahren aktiv, aber immer als Hobby. Was fasziniert dich an der Fotografie?
Dass ich anderen zeigen kann, wie ich die Welt sehe und wahrnehme. Das grösste Kompliment erhielt ich 2019 auf einer Familienreise von meiner Schwester, als ich ihr meine Bilder gezeigt habe und sie daraufhin meinte: «Wir sind am gleichen Ort durchgelaufen, wo siehst du immer diese Dinge?»

Seit 2018 veröffentlichst du deine Fotos auf Unsplash, inzwischen sind es mehr als 2’300 Bilder. Wieso Unsplash, was macht die Plattform für dich besonders?
Meine ersten Bilder habe ich im Mai 2018 direkt aus Portugal hochgeladen. Normalerweise erlaubt Unsplash den Upload von maximal 10 Bildern pro Woche. Ich hatte jedoch bereits nach meinem ersten Upload das Privileg erhalten, eine unlimitierte Anzahl meiner Bilder hochzuladen. Ausserdem steht hinter Unsplash eine grossartige Community, die vor allem via Slack kommuniziert. Dort kann man sich Tipps abholen, über Equipment abnerden oder kriegt Unterstützung.

Seit 2019 bin ich zudem Mitglied des Unsplash Photoclubs, wo ein illustres Grüppchen jeweils Themenvorschläge oder Challenges für mögliche Motive direkt durch Unsplash selbst erhält. Daraus sind dann 5 weitere Photoclubs entstanden, wobei ich einen davon leiten darf. Momentan läuft die schon die 2. Runde mit dem Thema «50mm». Die Themen darf ich frei vorschlagen.

Als Nutzer kann ich die bei Unsplash heruntergeladenen Fotos sowohl privat als auch kommerziell nutzen, ohne dich als Urheber bzw. Fotograf zu nennen. Stört es dich nicht, dass deine Fotos genutzt werden können, ohne dass dein Name genannt wird und ohne dass du dafür bezahlt wirst?
Vor 2018 hatte ich zehntausende Bilder auf meiner Festplatte. Ich las damals einen Artikel von Samuel Zeller, der zu dieser Zeit sehr erfolgreich auf Unsplash unterwegs war, was mich dann motivierte, meine Bilder hochzuladen. Schlussendlich war die Frage, was es bringen würde, wenn die Bilder einfach auf der Festplatte liegen und sie nie jemand zu Gesicht kriegt. Ab und zu wäre eine Bezahlung schön, dann könnte man sein Equipment nämlich davon bezahlen. Aber man weiss ja aufgrund der klaren Bedingungen, auf was man sich einlässt. Was mich mehr stört, sind Leute, die meine Bilder herunterladen und versuchen, sie auf Adobe Stock oder Shutterstock zu verkaufen. Plattformen, welche meine Bilder schon mehrfach abgelehnt haben, ausser, sie werden von anderen Usern hochgeladen.

Stockfotografie im klassischen Sinne bringt es für mich nicht. Der Aufwand für Verschlagwortung, Kategorisierung, Beschriftung, etc. ist für die paar wenigen Rappen, die man erhält, horrend hoch. Da kann ich sie auch gleich kostenlos weggeben.

Gibt es DAS Lieblingsfoto von Claudio? «Wenns eins sein müsste, dann wohl diese Hütte in Front der Churfirsten. Ich verbinde damit einen wunderbaren Tag mit meinen Freunden.»

Einen Teil der Bilder veröffentlichst du auch auf deinem Instagram-Kanal. Die Währung dort sind vor allem «Likes» und dein Name ist mit deinem Bild verknüpft. Trotzdem siehst du Instagram als eine ganz andere Welt an, oder?
Es gibt auch auf Unsplash Likes. Bis ungefähr 2019 wurde die gesamthafte Anzahl auch in den Statistiken angezeigt. Inzwischen sind Likes einfach nur noch in den Benachrichtigungen sichtbar. So sehe ich, dass jemandem mein Bild gefällt.

Instagram halte ich inzwischen für kaputt. Zu viel Werbung, zu wenig Fotografie. Auch die ganze Algorithmus-Geschichte. Ich würde gerne die Bilder aller Accounts sehen, denen ich folge. Und zwar chronologisch, so wie in den Anfangszeiten von Instagram. Trotzdem lade ich meine Bilder noch immer hoch, weil Instagram leider die mächtigste Fotoplattform überhaupt ist und es wichtig ist, sich zu zeigen.

Apropos Bezahlung: Das Lizenzmodell von Unsplash ist ja nicht ganz unumstritten. Es gibt Stimmen, die Plattformen wie Unsplash vorwerfen, damit den Markt für professionelle Fotografen kaputt zu machen. Wie siehst du das?
Das glaube ich kaum. Wenn man ein ganz spezifisches Foto haben möchte, dann kann Unsplash das kaum abdecken. Zum Beispiel das Bild einer Hochzeit oder das Portrait einer bestimmten Person.

Konkurrenz sehe ich am ehesten noch für den Landschaftsfotografen, weil das eine Art von Fotografie ist, die am einfachsten zugänglich ist. Jede und jeder kann in die Natur gehen und Fotos davon machen. Schlussendlich macht ein gutes Foto aber immer noch das Auge. Und weil die Natur unberechenbar ist, ist oft auch einfach ein wenig Glück dabei, ob das Bild am Schluss einfach gut oder eben mehr als gut ist.

Vor wenigen Tagen hat Gründer Mikael Cho Unsplash an Getty Images verkauft. Die amerikanische Bildagentur hat im Netz nicht nur ein positives Image. Was ging Dir durch den Kopf, als Du davon hörtest, wohin führt der Weg mit dem neuen Unsplash-Eigentümer?
Laut Unsplash soll alles so bleiben wie es ist. Ich vertraue jetzt einmal darauf, dass sich Getty daran hält. Erfahrungsgemäss halten sich die Käufer bei Übernahmen ein paar Jahre daran und machen es dann doch anders. Sollten sie sich nicht daran halten, dann müsste ich die Situation zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal neu beurteilen.

Zum Schluss: Egal auf welcher Plattform, dich findet man meist sofort unter deinem Nickname «purzlbaum». Was hat es damit auf sich auf sich?
Mein jüngeres Ich hatte vor vielen Jahren nach einer durchzechten Nacht plötzlich das Gefühl, dass es eine gute Idee wäre, den Zebrastreifen auf dem Heimweg mit einer Reihe von Purzelbäumen zu überqueren. Der Nickname war damit erfunden. Und Kopfschmerzen hatte ich danach auch, allerdings mehr vom harten Asphalt. ;)

Danke fürs Gespräch, Claudio.

Du hast Fragen? Claudio beantwortet sie dir gern in den Kommentaren.

Core Web Vitals: Neue Ranking-Faktoren für deine Website

Ab Mai 2021 prüft Google neue Eigenschaften deiner Website, die dann das Ranking in den Suchergebnissen zusätzlich beeinflussen werden. Was diese «Core Web Vitals» genau sind, mit welchen Tools du die Core Web Vitals deiner Website untersuchst und mit welchen Massnahmen du die Faktoren verbesserst, zeigen wir dir in diesem Blogbeitrag.

Core Web Vitals: Neue Ranking-Faktoren für deine Website

Was sind Core Web Vitals?

Die sogenannten Web Vitals sind Faktoren, die Google benutzt, um das Erlebnis zu messen, das du mit einer Website hast. Die Core Web Vitals stellen quasi den Kern dieser Faktoren dar und bestehen aus diesen 3 Merkmalen: LCP, FID und CLS. Diese 3 Abkürzungen solltest du ab Mai 2021 verinnerlicht haben, denn dann wird Google damit beginnen, die Core Web Vitals als Ranking-Faktor zu nutzen. Das hat es mit LCP, FID und CLS genau auf sich hat:

Largest Contentful Paint (LCP): Wie schnell lädt eine Seite?

Der wichtigste Faktor der 3 Core Web Vitals ist der sogenannte Largest Contentful Paint (LCP). Mit dem Faktor wird gemessen, wie schnell das grösste Element im sichtbaren Bereich geladen ist.

The Largest Contentful Paint (LCP) metric reports the render time of the largest image or text block visible within the viewport.

Philip Walton
Google

Liegt der LCP-Wert unter 2.5 Sekunden bist du mit der gemessenen Seite im grünen Bereich. Google empfiehlt, dass 75 % der Seiten deiner Website diesen Zielwert erreichen. Und das sowohl auf Desktop- wie auch auf Mobil-Geräten.

So optimierst du LCP für deine Website

LCP ist hauptsächlich abhängig von 4 verschiedenen Faktoren. Daraus ergeben sich diese 4 Empfehlungen, um den LCP deiner Website zu optimieren:

  • Achte darauf, dass die Antwortzeit deiner Website möglichst gering ist. Da hilft zum einen der Einsatz eines Webhosting-Anbieters mit einer schnellen Infrastruktur (😉) und zum anderen der Einsatz von Caches, sowohl server- als auch browserseitig.
  • Minimiere den Einsatz von JavaScript und CSS, die das Rendern der aufgerufenen Seite blockieren.
  • Verringere die Zugriffszeiten auf die Ressourcen deiner Website.
  • Achte bei Websites, die hauptsächlich im Browser generiert werden, darauf, dass du den verwendeten JavaScript-Code möglichst klein und schlank hältst.

Unter https://web.dev/optimize-lcp/ findest du weitere, ausführliche Tipps dazu, wie du LCP für deine Website optimierst.

First Input Delay (FID): Wie schnell reagiert die Seite?

Der zweite Faktor, der sogenannte First Input Delay (FID), ist etwas komplexer als LCP. Er misst, wie lange es dauert, bis der Browser nach der ersten Interaktion durch Besucherinnen und Besuchern reagieren kann. «Reagieren kann», weil geprüft wird, ob der Browser nicht gerade noch mit anderen Aufgaben beschäftig ist. Für den FID sind Klicks, Tippen auf dem Bildschirm oder das Drücken einer Taste relevant. Interaktionen wie Zoomen oder Scrollen sind für den FID hingegen nicht massgebend.

FID measures the time from when a user first interacts with a page (i.e. when they click a link, tap on a button, or use a custom, JavaScript-powered control) to the time when the browser is actually able to begin processing event handlers in response to that interaction.

Philip Walton
Google

Beim FID sind Werte unter 100 Millisekunden gut. Auch hier empfiehlt Google, dass sich 75 % der Seiten im grünen Bereich bewegen.

So optimierst du FID für deine Website

Den FID deiner Seiten optimierst du vorwiegend durch den optimalen Einsatz von JavaScript:

  • Teile lange Aufgaben in kleinere Stücke auf. Google nennt den Wert von 50 ms, ab dem ein Code-Schnipsel den Haupt-Thread zu lange blockiert.
  • Priorisiere die Code-Elemente, die für die Interaktion mit der Seite verantwortlich sind.
  • Setze Web-Worker ein.
  • Reduziere die Ausführungszeit des gesamten JavaScript-Codes und verschiebe die Ausführung von weniger wichtigen Aufgaben an den Schluss.

Unter web.dev/optimize-fid/ findest du die ausführlichen Tipps von Google, wie du FID für deine Website optimieren kannst.

Cumulative Layout Shift (CLS): Alles an seinem Platz?

Der dritte Messwert im Core-Web-Vitals-Bunde nennt sich Cumulative Layout Shift (CLS). Der CLS-Score setzt sich aus der Summe aller einzelnen «Layout Shift»-Scores zusammen, die auf der aufgerufenen Seite berechnet werden.

CLS measures the sum total of all individual layout shift scores for every unexpected layout shift that occurs during the entire lifespan of the page.

Milica Mihajlija
Google

Ein solcher «Layout Shift» passiert, wenn ein sichtbares Element in der darauffolgenden Bildwiederholung (dem nächsten «Frame») seine Position verändert.

Für CLS gilt ein Wert unter 0.1 als gut. Und auch bei diesem Faktor solltest du bei allen Seiten deiner Website die 75-%-Marke anpeilen, genau wie für LCP und FID.

So optimierst du CLS für deine Website

Achte für einen optimalen Cumulative-Layout-Shift-Score darauf, dass sich möglichst wenige Inhalte nach dem Laden der Seite verschieben. Das erreichst du, indem du auf folgende Punkte achtest:

  • Gib bei Bildern immer die Höhe und Breite im HTML an.
  • Vermeide Werbebanner, eingebettete Inhalte und iFrames ohne Grössenangabe.
  • Schaffe für dynamisch geladene Inhalte Platz, indem du Platzhalter verwendest.
  • Verhindere für eingebundene Schriftarten FOUT (Flash Of Unstyled Text) und FOIT (Flash Of Invisible Text).

Die ausführlichen Tipps von Google, wie du den CLS-Score optimierst, findest du unter web.dev/optimize-cls/.

Warum sind Core Web Vitals wichtig für deine Website?

Google hat angekündigt, dass ab Mai 2021 die sogenannten «Page-Experience»-Signale zu einem Ranking-Faktor werden. Zu diesen Signalen gehören neben einer guten Bedienbarkeit auf Mobilgeräten und verschlüsselten Verbindungen auch das Fehlen von Malware und aufdringlichen Interstitials sowie eben die Core Web Vitals.

Tools, mit denen du die Core Web Vitals im Blick behältst

Die beliebten Entwickler*innen-Tools von Google unterstützen alle Core Web Vitals, womit du ein ganzes Arsenal an Werkzeugen zur Verfügung hast, um deine Website für die kommende Google-Änderung fit zu machen. Ein guter Startpunkt ist die Google Search Console. Du findest dort einen Menüpunkt «Core Web Vitals» unter dem du passende Reports generieren kannst. So hast du im Handumdrehen den Überblick darüber, welche Seiten deiner Website noch ein bisschen Core-Web-Vitals-Liebe benötigen.

Mithilfe von PageSpeed Insights kannst du dann die einzelnen Seiten einer genaueren Prüfung unterziehen. Sowohl PageSpeed Insights als auch web.dev/measure/ geben dir wertvolle Tipps, an welchen Stellen du noch schrauben kannst. Für lokale Tests eignen sich die DevTools und die integrierte Lighthouse-Funktion im Chrome-Browser. Einen Überblick über all diese Tools von Google findest auf web.dev/vitals-tools/. Viel Erfolg beim Optimieren! 🚀

Internet-Pionier Ray Tomlinson: Der Mann, der die E-Mail erfand

1971 waren Handys, Laptops oder Instant Messenger noch gänzlich unbekannt. Ein Mann schickte sich vor ziemlich genau 50 Jahren jedoch an, die Zukunft der Telekommunikation nachhaltig zu verändern: Ray Tomlinson erfand die E-Mail.

Internet-Pionier Ray Tomlinson: Der Mann, der die E-Mail erfand.

Was tun, wenn Kolleginnen und Kollegen an entfernten Standorten nicht ans Telefon gehen? Könnte man sie trotzdem erreichen und ihnen eine Nachricht hinterlassen? Tomlinson brannte diese Frage schon länger unter den Nägeln. Der Computeringenieur arbeitete Ende der 60er Jahre an der Entwicklung des ARPANET (Advanced Research Projects Agency Network) mit, einem Vorläufer des heutigen Internets, mit dem die amerikanische Regierung die Forschungsinstitutionen im ganzen Land miteinander verbinden wollte.

Nachrichten auf einem Computer auszutauschen war zwar bereits seit Mitte der 1960-er Jahre möglich, allerdings mit einer grossen Einschränkung: Eine Nachricht konnte nur an Mailboxen auf demselben Computer verschickt werden. Das machte damals durchaus Sinn, denn die Maschinen kosteten Hunderttausende von Dollar und wurden deshalb meist nach dem Time-Sharing-Prinzip von mehreren Personen gleichzeitig genutzt. Und genau diese Personen konnten bereits untereinander Nachrichten austauschen.

Das Prinzip dahinter ist fast so simpel wie heute. Ein Postfach war ganz einfach eine Datei mit einem bestimmten Namen. Das einzig besondere daran waren die Zugriffsberechtigungen, denn andere Nutzerinnen und Nutzer konnten zwar Daten ans Ende der Datei anhängen, sie aber weder lesen noch löschen.

«CPYNET» plus «SNDMSG» = E-Mail

Dass mit ARPANET und der damit verbundenen Vernetzung nun plötzlich mehr möglich war, erkannte Tomlinson schnell. Er kombinierte das experimentelle Dateiübertragungsprogramm «CPYNET», an dem er bereits früher arbeitete, mit «SNDMSG», dem Programm, das für den Nachrichtenversand auf den damaligen Grosscomputern genutzt wurde. Damit war es möglich, Nachrichten auch an entfernte Computer zu verschicken und sie an die empfangende Postfach-Datei anzuhängen. Die E-Mail war erfunden!

«@»: Das perfekte Zeichen

Blieb noch die Frage der Adressierung: Wie unterscheidet man, welche Nachrichten auf dem lokalen Server zugestellt und welche übers Netzwerk verschickt werden sollen? Tomlinson entschied sich für das «@»-Zeichen. Aus ganz praktischen Gründen: Das Zeichen auf der Tastatur wurde bis dahin kaum verwendet und wurde auch in keinem ARPANET-Benutzernamen genutzt. Ausserdem erklärte er einmal, dass das «@» zudem als einziges Zeichen auf der Tastatur auch eine Präposition darstellt, war es für seine Zwecke perfekt gemacht habe.

Die erste E-Mail überhaupt schrieb Tomlinson 1971 an einen Computer, der sich im selben Raum wie er befand und nur via ARPANET mit dem empfangenden Computer verbunden war. Ein Meilenstein in der Computertechnik. Nur an den Inhalt der ersten E-Mail kann er sich nicht mehr erinnern. Er habe, erzählte er vor einigen Jahren, einfach eine Reihe von Testnachrichten mit einem wohl eher banalen Inhalt hin und her geschickt. Höchstwahrscheinlich sei so etwas wie «QWERTYUIOP» dringestanden.

Die beiden Computer (im Vordergrund BBN-TENEXA, kurz BBNA, im Hintergrund BBN-TENEXB, BBNB) zwischen denen Ray Tomlinson die ersten E-Mails über eine Netzwerkverbindung hin- und herschickte. (Bild: Dan Murphy / Creative Commons BY-ND 4.0)

«Erzähl es niemandem!»

Dass er da etwas ganz Grosses erfunden hatte, hatte Tomlinson aber noch nicht so richtig erkannt. Er informierte zwar den Rest seiner Arbeitsgruppe darüber, dass man nun Nachrichten über das Netzwerk senden konnte, mahnte aber gleichzeitig seinen langjährigen Arbeitskollegen Jerry Burchfiel: «Erzähl es niemandem! Daran sollten wir nicht arbeiten».

Erst als etwas später der Direktor der Regierungsbehörde DARPA, die für das ARPANET zuständig war, davon hörte und begann, seine gesamte Kommunikation auf das System umzustellen, gewann E-Mail an Bedeutung. Denn das zwang die Forscher, die für die Finanzierung Ihrer Projekte auf Roberts angewiesen waren, ebenfalls auf das System aufzuspringen. Damit wurde E-Mail schnell von einem praktischen zum unverzichtbaren Werkzeug. Der Rest ist Geschichte.

Tomlinson spielte auch später noch eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der ersten E-Mail-Standards. Er wurde 1973 Co-Autor des RFC-561, in welchem auch heute noch gültige Standard-E-Mail-Felder, zum Beispiel «Von», «Betreff» oder «Datum» definiert wurden. 2012 wurde er in die «Internet Hall of Fame» aufgenommen, in der unter anderen auch Elizabeth «Jake» Feinler, über deren Pionierarbeit wir bereits geschrieben haben, Vint Cerf oder Tim Berners-Lee verewigt sind.

Ray Tomlinson starb 2016 im Alter von 74 Jahren.

Die besten Browser für Webentwicklung und Webdesign

Mit einem Browser konsumieren wir bekanntlich nicht nur Inhalte im Web, sondern können mit passenden Web-Applikationen auch direkt Inhalte generieren. Und in der Web-Entwicklung sind dir die Browser-Devtools bestimmt ein Begriff. Neben den standardmässig in den Browsern eingebauten Werkzeugen gibt es allerdings auch Browser, die speziell auf die Bedürfnisse von Web-Entwickler*innen und -Designer*innen ausgerichtet sind. Wir stellen dir heute ein paar davon genauer vor.

Die besten Browser für Webentwicklung & Webdesign

Big Three: Firefox sticht heraus

Jeder der 3 grossen Browser-Hersteller (Chrome, Firefox und Safari) hat eine passende Developer-Edition im Angebot. Diese erweiterten Versionen bieten einige zusätzliche Features, die Web-Entwicklerinnen und -Entwicklern das Leben leichter machen sollen.

Unter den 3 «Grossen» sticht Firefox hervor. Der Browser aus dem Hause Mozilla glänzt in der Developer-Version mit einigen Features, die es bei der Konkurrenz so nicht gibt. Nicht zuletzt die Landing-Page für die «Firefox Browser Developer Edition», macht richtig Lust, Firefox als Entwicklungs-Browser einzusetzen. Da können sich die Kolleginnen und Kollegen von Google und Apple definitiv eine Scheibe abschneiden.

Screenshot Firefox Developer Edition

Experimentelle Funktionen, neueste W3C-Standards und häufige Updates bieten alle Developer-Versionen der grossen Drei. Mozilla geht mit Firefox allerdings noch einen Schritt weiter. So bietet die Firefox Developer Edition eine Anzeige von inaktivem CSS. Damit siehst du sofort, ob die ausgewählte CSS-Deklaration auf der ausgewählten Website überhaupt zum Einsatz kommt. Ein JavaScript-Debugger, ein Schriftarten-Panel und ein eigenes Tool für die Entwicklung und Designs mit CSS Grid runden das ansprechende Angebot der Firefox Developer Edition ab.

Das restliche Feld: 4 (Geheim-) Tipps

Wie eingangs erwähnt: Browser sind primär dazu da, um Inhalte im Web zu konsumieren. Und das merkt man den Developer-Editionen von Google und Apple an, wie ich finde. Umso typischer fürs Web sind die kleineren Anbieter, die in die Bresche springen. Diese 4 Browser, die als Zielgruppe eindeutig die Web-Entwicklerinnen und -Entwickler dieser Welt haben, solltest du dir genauer anschauen:

Polypane

Polypane, das Tool des Holländers Kilian Valkhof, strotzt nur so von Funktionen. Jedes einzelne Feature aufzuzählen, würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Darum hier ein kleiner Abriss über die interessantesten Funktionen von Polypane.

Screenshot Polypane

Mit Polypane kannst du alle Viewport-Grössen testen, die du brauchst. Alles in einer App und dazu noch völlig synchron. Ob scrollen, hovern, klicken oder Formulare ausfüllen. Ein richtig praktisches Feature, wie ich finde. Ausserdem bietet dir Polypane eine Reihe an Debuggern und Simulatoren rund um Barrierefreiheit. Live-Reloading oder Auto-Reloading sowie ein Broken-Link-Checker sind ebenfalls inklusive. Und eine Funktion, die mir persönlich besonders gut gefällt: Previews von Meta- und Open-Graph-Tags für die beliebtesten Social-Media-Netzwerke, Google oder auch Slack.

Und eben, das ist längst nicht alles. Auf der Polypane-Website findest du einen Überblick über alle Funktionen. Du kannst Polypane 14 Tage lang kostenlos testen, danach werden CHF 118.- pro Jahr oder CHF 12.- pro Monat fällig.

Blisk

Wie mit Polypane lassen sich auch mit Blisk alle Viewport-Grössen gleichzeitig testen. Blisk setzt den Fokus einen Tick stärker auf Geräte als auf reine Browser-Grössen. Am auffälligsten ist das an den Geräte-Mockups, die Blisk automatisch um die einzelnen Browser-Fenster legt.

Screenshot Blisk

Viele weitere Funktionen von Polypane findest du auch in Blisk. So gehören Screenshots der ganzen Seite und allen Devices genauso zum Lieferumfang wie eine Auto-Refresh-Funktion. Mit Blisk kannst ausserdem deinen ganzen Bildschirm aufnehmen und dank dem Cloud-Speicher, der ab dem kostenpflichtigen Angebot mitgeliefert wird, direkt mit deinem Team teilen.

Blisk kann grundsätzlich kostenlos genutzt werden. Gewisse Funktionen stehen dir dabei allerdings lediglich 10 Minuten pro Tag zur Verfügung. Für kurze Tests dürfte das reichen, für den professionelleren Einsatz ist aber der Kauf der kostenpflichtigen Lizenz nicht verkehrt. Für knapp USD 100.- pro Jahr oder USD 10.- pro Monat bist du dabei.

Sizzy

Sizzy ist vermutlich der bekannteste Developer-Browser in der Szene und wird, gemäss eigenen Angaben, in Unternehmen wie Basecamp, Duck Duck Go oder Zapier genutzt. Das Herz bildet auch bei Sizzy die zentrale Übersicht über alle gewählten Browser-Grössen bzw. Geräte.

Screenshot Sizzy

Standardmässig startest du mit einer responsiven Ansicht, kannst die Geräte aber auch für ein Bildschirmfoto schön arrangieren lassen, den Fokus auf ein einzelnes Gerät setzen oder sogar übereinander stapeln. Sizzy simuliert nicht nur die Gerätehülle sondern auch die UI des entsprechendes Browsers und des Betriebssystems. Praktischerweise kannst du diese Einstellungen auch komplett selbst verwalten und den Geräten beispielsweise eine eigene Farbe verpassen. Wie auch bei der Konkurrenz lassen sich mit Sizzy verschiedene Netzwerkbedingungen simulieren und du siehst, wie gut dein Projekt beispielsweise mit einer 3G-Leitung funktioniert.

Mit der Butler-Funktion bedienst du sämtliche Funktionen auch per Tastaturbefehle und der Session-Manager erspart dir ständiges Ein- und Ausloggen, um unterschiedliche Benutzer*innentypen zu simulieren. Wie auch bei Polypane kannst du eine Sprache für die einzelnen Geräte setzen und dir eine Social-Media-Preview anzeigen lassen.

Sizzy bietet einen 14 Tage langen, kostenlosen Test, allerdings ist dafür bereits die Angabe von Kreditkarten-Daten nötig. Nach dem Test werden für die Nutzung von Sizzy USD 60.- pro Jahr oder USD 7.- pro Monat fällig.

Responsively

Etwas jünger als die Konkurrenz ist Responsively. Im Gegensatz zu Polypane, Blisk und Sizzy ist Responsively quelloffen und kostenlos.

Screenshot Responsively

Das Open-Source-Tool bietet ebenfalls gespiegelte Aktionen, womit alle simulierten Browserfenster mitscrollen und auf deine Aktionen reagieren. Du kannst mit Responsively die Anordnung der Browserfenster nach deinem Gusto konfigurieren und aus über 30 Geräte-Presets wählen. Eine Screenshot-Funktion, mit der du alle Fenster gleichzeitig und in der ganzen Grösse ablichten kannst ist ebenso an Bord wie eine Hot-Reload-Funktion. In Sachen Dokumentation steckt Responsively noch in den Kinderschuhen, ausführliche Anleitungen zu den Funktionen suchst du aktuell vergeblich. Das Beisteuern von Anleitungen wäre also ein guter Startpunkt um das Open-Source-Projekt zu unterstützen.

Fazit

Wenn du die zusätzlichen Funktionen von Polypane, Blisk, Sizzy oder Responsively nicht benötigst, bist du mit der Firefox Developer Edition gut bedient. Der Feuerfuchs bietet den umfangreichsten Funktionsumfang der grossen Browser-Hersteller. Darf es gerne ein bisschen mehr sein, solltest du dir Polypane oder Sizzy genauer anschauen. Die eingebauten Funktionen sind so zahlreich, da ist bestimmt auch etwas für dich dabei. Und falls du gerne Open-Source-Projekte unterstützt, schau unbedingt bei Responsively und dem GitHub-Account des Projekts vorbei.

Nutzt du schon einen der genannten Developer-Browser? Oder vielleicht einen, den wir hier nicht erwähnt haben? Dann lasse gerne einen Kommentar da.

Transparenzbericht 2020

Auch dieses Jahr veröffentlichen wir, fast schon traditionell, unseren Transparenzbericht. Bereits zum fünften Mal in Folge wollen wir damit aufzeigen, welche Art von rechtlichen Anfragen wir erhalten und von welchen Stellen uns diese erreichen. Unseren ersten Transparenzbericht haben wir 2016 veröffentlicht, die Berichte der vergangenen Jahre können hier nachgelesen werden: 2016, 2017, 2018, 2019.

Transparenzbericht 2020

Zahlen

Insgesamt haben uns im vergangenen Jahr 34 rechtliche Anfragen zu bei uns gehosteten Website-Inhalten erreicht. Um welches Thema es bei der Anfrage ging, wer sie gestellt hat und wie wir damit umgegangen sind, verraten wir hier.

Anfragen zu unzulässigen Inhalten

Anfragen zu unzulässigen Inhalten stammen in der Regel von Privatpersonen und Unternehmen und werden von uns nach dem «Code of Conduct Hosting» des SWICO behandelt. Im Zeitraum vom 01.01.2020 – 31.12.2020 haben wir 21 Anfragen zu unzulässigen Inhalten erhalten:

Anfragesteller

Anfragesteller Anzahl Anfragen
Unternehmen 17
Privatperson 4

Land des Anfragestellers

Land Anzahl Anfragen
Schweiz 9
USA 4
Grossbritannien 4
Italien 2
Schweden 1
Niederlande 1

Grund der Anfrage

Rechtsgebiet Anzahl Anfragen
Urheberrecht 7
Persönlichkeitsrecht 5
Phishing 5
Markenrecht 3
Betrug 1

Verfahren nach Code of Conduct

Verfahren Anzahl Anfragen
Notice-and-Notice 11
Notice-and-Takedown 10

Auskunftsersuchen von Behörden

Im Zeitraum 01.01.2020 – 31.12.2020 haben wir 13 Auskunftsersuchen von Behörden erhalten. Dabei handelte es sich um Anfragen der folgenden Instanzen:

Behörde Art der Anfrage Anzahl erhaltener Anfragen Anfragen, bei denen Daten geliefert wurden
Staatsanwaltschaft, Polizei Editionsverfügung
(Art. 263/265 StPO)
6 6
EJPD, ÜPF Rückwirkende Verkehrsdaten, Überwachung des Fernmeldeverkehrs
(Art. 18 Abs. 5 VÜPF)
3 3
Konkursamt Konkurseröffnung
(Art. 204 SchKG)
4 1

Fazit

Das vergangene Jahr war eine Herausforderung für uns alle. Auf die Zahl der Anfragen hatte das aber keine Auswirkungen. Auffällig im Vergleich zu den bisherigen Jahren ist jedoch, dass auch Konkursämter nun vermehrt mit Auskunftsbegehren an uns gelangen.

2020 wurde vom Swico zum «Code of Conduct Hosting» zusätzlich der «Code of Conduct Domain» eingeführt, welcher den Umgang mit Beschwerden in Bezug auf Domainnamen regelt. Aufgrund der neuen Regelungen bezüglich der Whois-Informationen von .ch-Domains könnten diesem im neuen Jahr eine hohe Bedeutung zukommen. Wir werden darum im Transparenzbericht für das Jahr 2021 neu auch eine Auflistung von Anfragen, die sich auf den «Code of Conduct Domain» beziehen, veröffentlichen.